Die Mobbingterrorbande - Wenn die Nacht den Tag nicht mehr erneuert Mobbing und die tödlichen Konsequenzen

Protagonist Benno Troll in Theo Retischs Buch "Wenn die Nacht den Tag nicht mehr erneuert" war Personalratsvorsitzender. Das Allgemeinwohl lag ihm stets mehr am Herzen als eine Gehaltserhöhung. Nach einer langen Amtszeit fing Troll noch einmal von vorne an, um in seinem alten Aufgabengebiet Fuß fassen zu können. Sein Ziel war es, mehr Zeit für seine Frau zu haben, um so die Ehe zu retten. Doch das Leben in der höheren Gesellschaftsschicht war damit zu Ende. Schnell ließ die Besonderheit von Trolls Person nach und sein Leben wurde zu einem alltäglichen, wie das eines ganz normalen Bürgers. Das wiederum führte in eine Krise.
Zuvor hatte Benno einen harten Job, genoss ein hohes Ansehen, jeder kannte ihn, aber sein Tag hatte auch oft mehr als zwölf Arbeitsstunden. Nun gab es Zeit genug, pünktlich Feierabend zu machen, aber dennoch war es der Ehe nicht zuträglich, denn Benno wurde von seinem neuen Chef Doktor Motzen und den anderen Herren aus der Führungsebene gemobbt. Man schikanierte ihn ohne Grund, bevormundete und belächelte ihn, schob ihm unkorrekte Vorgänge in die Schuhe oder erfand kurzerhand solche. Schlussendlich mied man ihn, denn er schlug sich trotz allem auf die Seite derer, die er schon damals als Personalratsvorsitzender beschützte. Er willigte nicht ein, täglich drei Stunden mehr zu arbeiten für den gleichen Lohn. Das war er seinen ehemaligen Untergebenen einfach schuldig, auch wenn er jetzt auf ihrer Ebene stand.
Die Katastrophe kam ins Rollen und das Leben wurde für Benno Troll unerträglich. Der psychische Druck und die psychische Gewalt zermürbten ihn nicht nur bei Tag, sondern erst recht bei Nacht: keine ruhige Minute mehr, kein Abschalten, ständige Ängste und schlaflose Nächte, Schweißausbrüche und Angst vor dem neuen Tag im Büro. Und Troll hatte wahrlich versucht, Hilfe bei Kollegen zu finden. Da ihm niemand eine Gewalttat zutraute und Gegenwehr jeglicher Art auch nicht, bekam er keine Hilfe und hinterließ seine Kollegen so zurück wie sich selbst – rat- und hilflos. Ausgeweint hatte er sich bei ihnen, doch sie waren überfordert und so blieb sein Hilfeschrei ungehört und Bruno musste zum Befreiungsschlag ansetzen. Der Gedanke war auf einmal da. Fast wie aus dem Nichts. Es musste doch einfach sein, seine Walther PPK herauszuholen und abzudrücken, ohne große Gedanken an das Unrecht: Der Druck war so groß, dass das Unrechtsbewusstsein in den Hintergrund trat. Die Erlösung war so nahe und der Schritt unvorstellbar einfach in die Tat umgesetzt. Doktor Motzen war ahnungslos aber bereits am frühen Morgen übelgelaunt auf Troll zugegangen und sogleich in sein Verderben gelaufen. Benno Troll hatte emotionslos abgedrückt. Danach fühlte er weder Reue noch irgendetwas anderes. In der engen Gefängniszelle empfindet er noch nicht einmal Unmut oder Traurigkeit, obwohl diese ihn doch einengen müsste. Wohl wissend, einen Mord begangen zu haben, verzichtet er auf Beistand, wirkt kühl und unnahbar, ist in Wirklichkeit aber einfach nur zufrieden und befreit.
Doktor Motzen wird nun von der oberen Führungsetage dargestellt als korrekter Chef, der sich nichts hat zuschulden kommen lassen: Ein Traumvorgesetzter, so die Schar, die sich um ihn rankte. Doch bei den Angestellten niedrigeren Ranges hätte man gerne die Wahrheit erzählt, hatte aber Angst vor den Konsequenzen. Schließlich kommt über Umwege zutage, dass Benno Troll niederträchtig und systematisch erniedrigt, gepeinigt und gedemütigt wurde. Bei den ermittelnden Beamten klärt sich einiges und ein sachliches Mitgefühl stellt sich ein, doch sie werden von oberster Etage dazu angehalten, das wahre Verhalten des Mordopfers nicht preiszugeben. Oberstaatsanwalt Knoll will das positive Image Trolls kippen. Kein Platz mehr für moralische Grundsätze. Schließlich will er seine Laufbahn mit diesem grandiosen Fall weiter voranbringen und Doktor Motzen danken für unzählige Geldeinlagen und dergleichen.
Als Benno Troll im Gefängnis erneut Opfer von Mobbing wird, begreift er das Unrecht seiner Tat. Man kann nicht jedesmal einen Menschen töten, man muss andere Wege finden. Und so steht der Prozess unter keinem guten Stern und Trolls Pflichtverteidiger gibt alles, wächst über sich hinaus. Der Prozess nimmt viele verschiedene Wendungen und unabhängig von dem Urteil, welches letztlich gesprochen wird, ist eines klar: Das Verbrechen wäre zu verhindern gewesen, hätte der Angeklagte auch nur eine einzige Person gehabt, der er sich hätte anvertrauen können!
Der gut geschilderte Verlauf der Geschichte von Beginn an macht die Seitenzahl wieder wett. Sehr gut durchdacht und exzellent auf den Punkt gebracht. Die Vorfälle, das Betriebsklima, die Tat, der Prozess, die aufkeimenden Aggressionen und Gefühle aller Beteiligten sind unglaublich authentisch wiedergegeben. So passiert es tagtäglich und jeder einzelne von uns kann etwas ändern, indem er kein Mitläufer ist, sich Gegenwehr zutraut und ein offenes Ohr hat für seine Kollegen und Mitmenschen. Ein sehr beeindruckender Kriminalfall, interessant und spannend erzählt, ohne Längen und mit dem nötigen Hintergrundwissen und Talent, alles so zu verpacken, dass man zwischen den Zeilen lesen kann, den roten Faden nicht verliert, einen spannenden Kriminalfall miterlebt und gleichzeitig eine menschliche Tragödie.

Tanja Küsters 18.05.2009
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